Fragen zu METROPOLIS (1927/2010)
1. METROPOLIS wurde um bisher verschollene Szenen ergänzt und damit die Originalfassung von 1927 weitgehend wiederhergestellt. Diese Fassung feierte mit glanzvollen Premieren am 12. Februar 2010 in Frankfurt und Berlin eine triumphale Rückkehr auf die Kinoleinwand. Wann kann man die Fassung 27/10 im Kino und auf DVD sehen?
Die Musikeinspielung von Frank Strobel und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin wird auf der Tonfassung fürs Kino und auf DVD zu hören sein. Die Arbeiten daran stehen kurz vor dem Abschluss, in den kommenden Wochen werden vertonte Kopien für die Kinos verfügbar sein. Nach der Kinoauswertung erscheint METROPOLIS auch auf DVD und BluRay. Derzeit sind bereits sechs stumme Kopien der neuen Fassung von 1927/2010 im Einsatz.
2. Von METROPOLIS existieren bereits restaurierte Fassungen, die von 2001 wurde sogar in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Was ist besonders an der Restaurierung von 2010?
Um es ganz einfach zu sagen: Es ist Fritz Langs Metropolis. Wir kommen dem Meisterwerk so nahe wie seit acht Jahrzehnten nicht mehr. Alle vorher von METROPOLIS verfügbaren restaurierten Fassungen mussten auf den verkürzten und dramaturgisch veränderten Fassungen der späteren deutschen und internationalen Kinoauswertung basieren, nicht auf der um eine halbe Stunde längeren, am 10. Januar 1927 uraufgeführten Fassung. Diese war nur wenige Monate zu sehen. Sie galt über Jahrzehnte hinweg als unwiederbringlich verloren.
So wuchs der Mythos von METROPOLIS als filmischer Torso: Man wusste, dass das Meisterwerk ein Opfer von Verstümmelungen geworden war, kannte aus unterschiedlichen Quellen die Beschreibungen der fehlenden Szenen und versuchte immer wieder – vergeblich – das vermisste Material wieder zu finden. Trotz der Recherche durch Generationen von Archivaren ebenso wie durch die Murnau-Stiftung blieb etwa ein Viertel der Premierenfassung verschollen – bis zum sensationellen Fund von Buenos Aires im Jahr 2008 und der aktuellen Restaurierung.
3. Was wurde bei der aktuellen Restaurierung gemacht?
Ziel war es, die über Jahrzehnte verschollene Metropolis-Fassung der Uraufführung von 1927 nahezu vollständig wieder herzustellen. Die aufwändige digitale Restaurierung von 2001 stellte die Grundlage für die aktuell entstandene Version dar. Sie wurde durch die wiederentdeckten Teile der argentinischen Version ergänzt. Im ersten Schritt musste die Schnittfolge der Uraufführungsversion rekonstruiert werden – also die Reihenfolge der Einstellungen, Szenen und Sequenzen. Im zweiten Schritt wurde das in Argentinien gefundene Material digital restauriert. Aufgrund der extremen Belastung des argentinischen Materials, die eine Betrachtung des Bildinhalts stark beeinträchtigt, war es das Ziel der Restaurierung, soweit als möglich mittels digitaler Technologien in das Material einzugreifen, um das Ausmaß der Schäden zu reduzieren. Darüber hinaus wurde die von Gottfried Huppertz für den Film komponierte Musik auf Grundlage der Originalpartitur neu editiert.
4. Im Gegensatz zu der Restaurierung von 2001, die ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen wurde, war das Ausgangsmaterial - die in Argenitinien wiederentdeckten Szenen mit einer Länge von ca. 25 Minuten - kein 35mm-Kameranegativ, sondern ein 16-DUP-Negativ. Was bedeutete das für die Restaurierung?
Eine 35mm Nitrokopie des argentinischen Verleihs aus dem Jahr 1927 gelangte nach Abschluss der argentinischen Kinoauswertung in Privatbesitz des Filmkritikers Manuel Pena Rodriguez und wurde von ihm bis in die 1960er Jahre in privaten Filmclubs vorgeführt. Seine Sammlung ging später in den Besitz des Fondo Nacional des las Artes über. Von den Nitromaterialien entstanden Sicherungskopierungen auf 16 mm-Negativ. Anschließend wurden die Nitromaterialien vermutlich vernichtet. Bei der nicht sehr fachgerecht durchgeführten Umkopierung wurden alle Schäden und Verschmutzungen der inzwischen stark verschlissenen Kopie mitkopiert und damit Teil des Bildes. Desweiteren ergab sich durch die Formatreduktion (von 35mm auf 16mm) ein Verlust an Auflösung sowie ein starker Bildbeschnitt.
5. Ändert sich durch die Restaurierung etwas an der Handlung?
METROPOLIS in der Fassung 1927/2010 unterscheidet sich signifikant von allen vorher bekannten Fassungen. Zwar bleibt die Handlung des Films in ihrem bekannten Rahmen, Handlungszusammenhänge verändern sich aber: sie werden harmonischer und verständlicher. Gerade die Nebenfiguren, denen Fritz Lang einen großen Raum gibt, treten wieder hervor. Zwei wiederentdeckte Szenen geben Georgy, Josaphat und dem Schmalen – die durch die Verkürzungen fast zu Statisten degradiert wurden – wieder ein eigenes Profil. Die eingefügten Sequenzen wie die Autofahrt Georgys durch Metropolis und der Besuch Freders und des Schmalen bei Josaphat erweisen sich für die Handlung als bedeutend. Doch auch die Beziehung zwischen dem Erfinder Rotwang und Joh Fredersen, dem Herrscher über Metropolis, und der Grund für ihre Rivalität werden in der aktuellen Restaurierung wieder deutlich: So ist die berühmten Szene "Raum der Hel", der von beiden Rivalen geliebten, verstorbenen Frau, endlich zu sehen, von der es bisher nur ein Standfoto sowie zahlreiche Beschreibungen gab. METROPOLIS (1927/2010) ist ein eigenes Filmerlebnis!
6. Konnte die fotographische Güte von 2001 erreicht werden?
Auch mit digitalen Mitteln lässt sich der Qualitätsunterschied zwischen der Version von 2001, die auf einem Kameranegativ basiert, und dem stark beeinträchtigten argentinischen Material nicht überwinden. Die Unterschiede zum Material von 2001 sind in der restaurierten Fassung von 2010 sichtbar. So wird METROPOLIS als filmischer Torso – dessen Mythos Generationen beschäftigt – auch in der nahezu vollständigen Fassung dokumentiert sein, da die wieder eingefügten Teile, die vor rund 80 Jahren aus kommerziellen Erwägungen entfernt wurden, auch nach ihrem Wiedereinfügen immer erkennbar sind.
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